top of page

Grenzen des Gleichgewichts

​

Mixed Media auf Leinwand | Acryl, Struktur, Spachteltechnik | 2025

140 x 70 cm,  

​

„Grenzen des Gleichgewichts“ ruft dazu auf, das Verhältnis von Mensch und Erde neu zu denken. Es visualisiert die Spannung zwischen Aufbau und Zerstörung, zwischen Fortschritt und Verantwortung. Das Werk steht sinnbildlich für die Notwendigkeit einer kulturellen wie ökologischen Selbstreflexion: Wenn die Balance kippt, zerfällt auch die Ordnung, die wir zu beherrschen glauben.

​

Das Werk entfaltet eine vielschichtige visuelle Spannung zwischen Struktur und Auflösung, zwischen geometrischer Kontrolle und malerischer Explosion. Der Künstler arbeitet mit einem kontrastreichen Farbklang aus tiefem Blau, Schwarz, Weiß und einem leuchtenden Orange, das wie ein eruptiver Moment des Lichts in die Komposition einbricht. Diese Farbdynamik evoziert das Ringen zwischen Kälte und Wärme, Technik und Natur, Ordnung und Chaos.

Im oberen Bildbereich lassen sich klare, fast architektonische Formen erkennen – blaue und weiße Balken, die sich perspektivisch verschachteln. Sie suggerieren Konstruktion, Rationalität, vielleicht das menschliche Streben nach Beherrschung von Raum und Materie. Doch diese Ordnung scheint zu zerfallen: Farbspritzer, Risse, fließende Texturen greifen in die Strukturen ein und lassen sie brüchig erscheinen.

Das untere Drittel des Gemäldes erinnert an einen Absturz, einen Abgrund, aus dem dunkle, fast geologische Formen hervorbrechen. Es entsteht der Eindruck einer Landschaft nach einer Katastrophe – eine Welt, in der die Grenzen zwischen Naturgewalt und menschengemachter Architektur verschwimmen. Die weißen Spritzer könnten als Symbole unkontrollierter Energie gelesen werden, vielleicht als Spuren eines Zusammenstoßes zwischen Mensch und Umwelt.

Das Werk spielt mit der Ambivalenz zwischen technischer Kühle und emotionalem Ausdruck. Die geometrischen Elemente lassen an konstruktivistische oder futuristische Tendenzen denken, während der gestische Farbauftrag an den Abstrakten Expressionismus erinnert. In dieser Kombination liegt die eigentliche Spannung des Bildes: Es zeigt eine Welt im Umbruch, in der das Streben nach Stabilität von der Kraft des Unvorhersehbaren bedroht ist.

Marcel Klingler

bottom of page